Stürmische Zeiten …

… kann man erleben, wenn man im Mai auf der Route 66 unterwegs ist. Zumindest im östlichen Teil, dort, wo die Straße die berühmt-berüchtigte Tornado-Alley kreuzt. Illinois, Missouri, Kansas und Oklahoma sind zu dieser Jahreszeit häufig von schweren Gewittern, die nicht selten Tornados unterschiedlicher Stärke entwickeln, betroffen.

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Wir erleben während unserer letzten 66 Reise im Mai diese Situation. In Oklahoma, genauer gesagt in Chandler, wird es „eng“. Schon auf den davor liegenden Etappen bekommen wir einiges an Gewittern und Regen ab, der Weather Channel läuft jeden Abend im TV des Motelzimmers. Tornadowarnungen quer durch den Mittleren Westen, Starkregen, Überflutungen. Und wir müssen durch diese Front hindurch auf unserem Weg nach Westen. Wird schon irgendwie gehen. Chandler, Oklahoma ist unser Tagesziel.
Dort besuchen wir eine lebende Route 66 Legende: Jerry McClanahan. Kaum jemand ist der 66 so verbunden wie er. In Chandler hat er sein Atelier, wo er uns herzlich begrüßt, wie jeden Route 66 Reisenden auf seinem Weg durch Oklahoma. Jerry ist ein Allrounder, Künstler, Maler, Fotograf, Schriftsteller – alles in einem. Die Anregungen für die Motive seiner Gemälde holt sich Jerry an der Route 66. Ihr könnt sie direkt bei ihm erwerben, auch wir haben einige im Gepäck, unter anderem dieses, das die Cool Springs Service Station in der Nähe von Oatman in Arizona zeigt. (noch in der Cellophanverpackung, deshalb die Reflektionen auf dem Bild).

IMG_8005Und Jerry steht auch für den sicherlich besten Reiseführer über die Historic Route 66: den EZ 66 Guide, der die Straße Meile für Meile, Kurve für Kurve genau beschreibt. Ein MUSS für jeden, der die 66 ausführlich erkunden möchte. Wenn ihr also in Chandler seid, „drop in and say Hello to Jerry“ – er wird euren 66 Guide gern signieren und euch jede Menge Tipps mit auf die Reise geben. http://www.mcjerry66.com/

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An diesem Nachmittag unterhalten wir uns lange mit ihm, er hat Zeit, wir sind die einzigen Besucher. Über‘s Wetter reden wir natürlich auch, es zieht sich bedrohlich zu dort draußen. Es wird dunkler, die Vorhersage für den Abend hört sich nicht gut an. Wir haben unser Zimmer im Lincoln Motel, eines der ursprünglichen 66 Motels.

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Aber ob es einem Tornado standhält? Wir haben keine Erfahrung mit diesen Situationen und sind schon etwas besorgt. Für den Fall der Fälle bietet uns Jerry sein Tornado-Shelter an. Gut gemeint, aber beruhigend ist es eher weniger. Mit mulmigem Gefühl verlassen wir ihn und fahren rüber zum Lincoln. Langsam wird es dunkel, windiger, bedrohlicher. Und es fängt an zu regnen. TV Gerät ist auf Empfang, wir beobachten die Front über den Weather Channel. Dann quakt es aus dem Fernsehgerät: „Severe thunderstorm warning for your area!“ Okay, das geht ja noch, Gewitter, Sturm und Regen – wir brauchen nur aus dem Fenster zu schau‘n. Inzwischen ergießen sich Sturzbäche vom Himmel. Überflutete Straßen können die Folge sein. Ob wir morgen, wie geplant, weiter fahren können? Das müssen wir abwarten. Notfalls „drumrum“ fahren. Aber jetzt aus dem Fernseher: „Severe tornado warning for your area!“. Jetzt werden wir doch etwas nervös. Was tun? Es ist stockdunkel draußen, da sieht man keinen Tornado kommen, und wenn, wäre es eh zu spät. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten. Noch sind keine Sirenen zu hören. Jerry sagte, man hätte 10 Minuten Zeit, wenn man die Sirenen hört. 10 Minuten? Ein Shelter zu finden!

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Die Tornado Warnung ist zeitlich begrenzt, noch ein paar Minuten, dann müsste die Entwarnung kommen. Und tatsächlich, sie kommt. Jetzt heißt es wieder nur: „thunderstorm warning“. Glück gehabt. Mit so einer Situation haben wir nie gerechnet. Und es ist eine Erfahrung mehr. Am nächsten Tag erfahren wir, dass der Tornado zehn Meilen südlich von uns vorbeigezogen ist, durch unbewohntes Gebiet. Es ist nichts passiert, zumindest nicht hier in Chandler. Der mittlere Westen ist in diesem Jahr extrem betroffen von Stürmen und Überschwemmungen. Oklahoma City, das noch vor uns liegt, hat sehr viel abbekommen. Aber auch dort werden wir Glück haben und ohne Umwege durchkommen.

Sehenswert in Chandler sind das „Route 66 Interpretive Center“ im ehemaligen Waffenarsenal (armory): http://www.travelok.com/listings/view.profile/id.1201
und die kleine, inzwischen restaurierte Route 66 Phillips Tankstelle.

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Und Jerry, of course …

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