Route 66 People – Mit Nick Gerlich auf Entdeckungsreise entlang der alten Route 66 ,Teil 5

03-day5-la-posada-turquoise-room-bf

Am nächsten Morgen lassen wir es etwas langsamer angehen und gönnen uns erst einmal ein reichhaltiges Frühstück im La Posada. Stilvoll mexikanisch, wie man an den Bildern sieht, selbst die Tischsets machen was her. Bevor wir uns zu unserem ersten Ziel aufmachen, unternehmen wir noch einen kleinen fotografischen Rundgang durch‘s Hotel.

 

02-day5-la-posada-turquoise-room-bf

04-day5-la-posada

01-day5-la-posada-sepia
Und dann geht‘s los Richtung Westen auf die Interstate 40. Nach ein paar Meilen erreichen wir das Meteor Crater Rest Area. Hier werden die Autos zurück gelassen, denn einmal mehr steht uns ein Fußmarsch bevor. Das alte Meteor Crater Observatory liegt direkt an einem Stück der Route 66 aus dem Jahre 1937, das nur noch per pedes erwandert werden kann. Eigentlich ist es gesperrt, aber man kann über ein paar dicke Felsen krauchen und schon ist man „drin“. Unter einem wunderschönen blauen Morgenhimmel, bei sehr erträglichen Temperaturen, macht die relativ kurze Wanderung über die alte Straßentrasse Spaß.

05-day5-meteor-crater-observ

Die Ruine des alten „Observatory“ kommt schnell in Sicht, man kann sie sogar im Vorbeifahren von der Interstate aus erkennen. Von dort haben wir sie schon bei früheren Reisen gesehen, aber nie gewusst, worum es sich eigentlich handelt. Das wird sich jetzt ändern.

06-day5-meteor-crater-obs

Das Bauwerk stammt aus den späten 1930er Jahren und wird von den Brüdern Harry und Hope Locke errichtet, die damals bereits seit zehn Jahren eine Tankstelle und ein Café an der 66 betreiben. Das große Loch in der Erde könnte natürlich für die Reisenden eine ziemliche Sensation sein, denn der Krater, der durch einen gewaltigen Meteoriteneinschlag entstand, ist nur wenige Meilen entfernt. Die Locke-Brüder versprechen sich ein gutes Geschäft, denn man kann vom Turm des „Observatoriums“ den Krater sehen. Allerdings erweist sich das Ganze als totaler Flop, kaum jemand findet die Aussicht aus dieser Distanz attraktiv, die Besucherzahlen sind so gering, dass für die beiden Lockes nichts bleibt, als ein Haufen Schulden. 1946 findet sich ein Nachfolger, Dr. Harvey Nininger, Astronom seines Zeichens, der in dem Gemäuer ein Museum zum Thema Meteoriten aufmacht. Der Blick auf den Krater kostet 25 Cent. Das Ganze geht drei Jahre lang gut, dann wird die Route 66 mal wieder verlegt. Es kommt keiner mehr vorbei, das Gebäude wird verlassen und verfällt zu der heute noch sichtbaren Ruine. Ein dekoratives Autowrack steht auch noch rum. Und „Greg loves Debi forever“, wie die Schrift auf der Mauer verkündet. Ob das stimmt, lässt sich nicht mehr ermitteln… 🙂

08-day5-meteor-crater-obs-2

09-day5-meteor-crater-obs-2

Unser nächstes Ziel hat was mit zwei Pistolen zu tun, oder zwei Revolvern oder Colts, je nachdem. „Two Guns“, so heißt die Location, liegt nur einen Steinwurf entfernt. Hier haben wir es auf eine dunkle Höhle mit gruseliger Geschichte abgesehen, aber natürlich werfen wir auch einen Blick auf das, was von „Two Guns“ übrig geblieben ist.

Der Ort ist hat seinen Namen von einem damaligen exzentrischen Bewohner namens Henry E. Miller – „Two Gun Miller“, wie er genannt wurde. Angeblich bewohnte er eine der Höhlen im Canyon Diablo, irgendwo da unten ein Stück unterhalb der heutigen Ruinen.

Two Guns ist einer der „most spooky“ Orte an der Route 66. Je eine Trapper-und Cowboyfigur, gemalt auf zwei Getreidesilos, begrüßen den Besucher. Ob der Cowboy mit den zwei Pistolen den Namensgeber darstellt, ist nicht überliefert.

IMG_8550

14a-day5-two-guns

In den Zeiten, als die 66 eine pulsierende Straße war, entstehen an diesem Ort Campground, Tankstelle, Motel und Souvenir Shop – die übliche „Tourist Trap“ also, wie an so vielen Stellen entlang des Highways. Dann kommt die Interstate und vorbei war‘s – und das, obwohl die I-40 nur einen Steinwurf entfernt ist. Heute macht die Ruine des Hauptgebäudes mit dem Schriftzug „Kamp“ auf dem Dach einen bedrückenden Eindruck, selbst bei hellem Sonnenschein beschleicht einen ein seltsames Gefühl, wenn man über das Gelände geht. Der mit Graffiti bemalte, ehemalige Swimming Pool mutet ebenfalls ziemlich unheimlich an. Vielleicht nur ein Gefühl, aber so ganz wohl ist einem dort nicht. Über die gesamte Geschichte von Two Guns und Canyon Diablo, wie die kleine, benachbarte Stadt damals hieß, folgt später ein eigenes Kapitel.

15a-day5-two-guns

15-day5-two-guns-4

Denn eigentlich wollen wir heute nur den unheimlichsten Ort dieses Geländes erkunden: die „Death Cave“! Um diese Höhle jenseits der Brücke über den Canyon Diablo rankt sich eine Legende. Nichts für schwache Nerven! Wir queren also in Nick‘s Van die alte Brücke über den Canyon. Das hätten wir uns bei unseren vorherigen Besuchen nicht getraut, zu wenig stabil erscheint das alte Bauwerk, aber Nick hat kein Problem damit. Die Brücke hält.

10-day5-two-guns-2

11-day5-two-guns-2

Die Snake Guards sind längst angelegt, wir benötigen sie heute den ganzen Tag. Und dann geht‘s runter durch Gebüsch, über Felsen und Steine zur „Death Cave“. Hier also soll das Massaker an den Apachen stattgefunden haben. 42 an der Zahl werden in dieser Höhle von den Navajos regelrecht ausgeräuchert bzw. gebraten, wenn man das mal so salopp sagen darf. Die Apachen verschanzen sich in der Höhle, die Navajos legen am Eingang Feuer, die Apachen schlachten ihre Ponys, löschen mit dem Blut der Tiere so gut es geht – aber am Ende nützt es nichts. Es gibt keine Überlebenden.
Die ganze Geschichte dieses Ereignisses aus dem Jahr 1871 könnt ihr hier nachlesen:
http://www.hkhinc.com/arizona/twoguns/deathcave.htm

14-day5-two-guns-2

 

12-day5-two-guns

Aber ob es wirklich so war? Die Höhle ist einfach zu klein für 42 Menschen, wobei es so aussieht, als ob ein Teil davon eingestürzt ist und zwar vorne am Eingang. Wer weiß? Auf jeden Fall sitzen wir hier in diesem Gruselraum, den wir mit Taschenlampen erleuchten und nach Schlangen absuchen – Stehen geht kaum, die Decke ist ziemlich niedrig – und fotografieren die Felsen, die Zeugen des geschilderten Gemetzels gewesen sein sollen. Spooky? Und wie! Das ist ja mal ein Route 66 Abenteuer der anderen Art.

13-day5-two-guns

Zurück aus der Höhle machen wir uns auf den kurzen Weg zum nächsten Highlight dieses Tages. Die Padre Canyon Bridge liegt nur ein paar Meilen entfernt, aber nicht leicht zu erreichen. Außerdem muss man wissen, dass es sie überhaupt gibt. Nick führt uns also zu einem weiteren „Secret“ der Old Route 66. Dazu müssen wir nach Winona (you remember? „Get your kicks on route 66“ – „Don‘t forget Winona“ ) – und um zur Padre Canyon Bridge zu kommen, nehmen wir die dortige Interstate Ausfahrt. Dann auf die Frontage Road – jetzt haben wir wieder die alte 66 unter den Rädern – und ca. fünf Meilen zurück, also nach Osten.

16-day5-padre-cyn-bridge-3

17-day5-padre-cyn-bridge

Kurz vor der Brücke lassen wir die Autos stehen und gehen den Rest zu Fuß. Fragil sieht sie aus, die alte Brücke über den Padre Canyon. Aber man kann wohl rüber fahren. Wir lassen das aber, sicherheitshalber. Man weiß nie, wann die alten Gemäuer dem Zahn der Zeit erliegen. Und zu Fuß sieht man eh mehr. Die Brücke stammt aus dem Jahr 1914, also noch vor den Route 66 Zeiten. Doch zwischen 1926 und 1937 trägt sie den 66 Verkehr über den Canyon. Dann wird eine neue Brücke gebaut, die 66 mal wieder ein Stück verlegt. Als die I-40 gebaut wird, verschwindet diese zweite Brücke wieder – mitsamt des zugehörigen Abschnitts der Mother Road.

18-day5-padre-cyn-bridge-2

19-day5-padre-cyn-bridge-2

An einem der Brückenpfeiler prangt das Route 66 Zeichen, damit jeder weiß, wo wir sind. Irgendjemand hat es hier in neuerer Zeit angebracht. Aber es war nicht „Roamin‘ Rich“, der sonst für diese Markierungen „zuständig“ ist.

20-day5-padre-cyn-bridge
Am anderen Ende der Brücke befindet sich ein kleiner Hügel, den wir natürlich erklimmen, denn von dort oben hat man den besten Blick auf Canyon und Brücke. Schweißtreibend ist das Ganze mal wieder. Aber es macht Spaß in dieser Wildnis herumzukrauchen und nach den Spuren der Vergangenheit zu suchen.

21-day5-padre-cyn-bridge-2

22-day5-padre-cyn-bridge-3

Und jetzt wird‘s eigentlich Zeit für ein Bier. Nick hat da eine Idee. Auf nach Flagstaff. Das schaffen wir in einer kleinen Stunde. Wir müssen ja noch die fünf Meilen Dirt Road zurück nach Winona. Wieder auf die Interstate und dann sind wir fast schon da. Die Route 66 verläuft mitten durch Flagstaff, aber das wird später wieder ein eigenes Kapitel. Heute nehmen wir uns außer einem Tankstopp für die Autos und einer Mittagspause in der „Mother Road Brewing Company“ nichts vor, denn wir haben noch einiges mehr auf dem Programm.

22a-day5-flagstaff-mother_rd_brewing_co

Diese kleine Brauerei mitten in Flagstaff ist unbedingt einen Besuch wert. Nicht nur wegen des guten Bieres – deswegen natürlich auch – aber auch sonst ist es eine tolle Location. Man sitzt an der Bar direkt neben den großen Kesseln, in denen der Gerstensaft gebraut wird. Viele Hocker gibt es nicht, aber es ist kaum ein Gast da, als wir reinkommen. Fünf oder sechs Biersorten werden angeboten, darunter auch „Kölsch style“ – man glaubt es kaum, wobei man das als Bierkenner mit der Bezeichnung wohl nicht so genau nehmen darf. Aber sehr schmackhaft ist es, auch für deutsche Kehlen. Zu essen gibt‘s nix, außer Chips, aber das macht nichts, wir versorgen uns unterwegs. Hier die website der Brauerei: www.motherroadbeer.com/

22b-day5-flagstaff-mother_road_brewing_co

22c-day5-flagstaff-mother_road_brewing_co

22d-day5-flagstaff-mother_road_brewing_co-2
Weiter geht‘s Richtung Westen. Wir verlassen Flagstaff auf der BL40. Vorbei an Bellemont (mehr dazu gab es hier: https://abenteuer66.wordpress.com/2015/11/09/no-vacancy-at-pine-breeze/) – auf der I-40 – dann weiter auf einem alten Abschnitt der 66 durch Brannigan Park, erreichen wir Parks. Die alte Straße führt hier durch dichte Kiefernwälder, dies ist der höchstgelegene Teil der Route 66. An einer Stelle ist die Dirt Road vom Regen total aufgeweicht, wir wollen nicht noch einmal stecken bleiben und kehren um. Viel gibt es hier eh nicht zu sehen, nur die Road und die Wälder.

23-day5-near-parks-2

Jetzt gilt es, ein paar Meilen zu machen, denn der Tag neigt sich langsam dem Ende entgegen. Drei Programmpunkte sind noch abzuarbeiten, bevor wir Seligman erreichen, wo wir für den Abend eine Verabredung zum Dinner haben. Als erstes nehmen wir den Ashfork Hill unter die Räder, eine ziemlich raue Dirt Road, natürlich ebenfalls ein früheres Alignment der 66.

24-day5-ash-fork-hill

26-day5-ash-fork-hill

Irgendwo am Ende des Hügels endet die Straße im Nichts. Die Schatten werden länger, das Licht wärmer, ein wunderschöner Spätnachmittag in Arizona.

25-day5-ash-fork-hill-2

27-day5-ash-fork-hill-2

Westlich von Ash Fork machen wir einen kurzen Abstecher zur Partridge Bridge, die an einem weiteren frühen Abschnitt der 66 liegt. Dazu verlassen wir die Interstate an der Ausfahrt 139, dann geht‘s auf die südliche Frontage Road, auf der wir nach zwei bis drei Meilen die alte Brücke erreichen. Sehr markant ist der große Baum, der direkt aus der Brücke herauswächst. Niemand stört ihn mehr dabei.

29-day5-Partridge-Creek-bridge-2

28-day5-Partridge-Creek-bridge

Da dies ein „Dead End“ ist, müssen wir retour zum Exit 139. Von dort aus folgen wir der originalen 66, die hier Crookton Road heißt, Richtung Seligman. Hier beginnt übrigens der längste, durchgehend befahrbare Abschnitt der Historic 66. Bis nach Topock sind es ca. 160 Meilen reines 66 Erlebnis.

30-day5-Crookton-Rd-2

31-day5-Crookton-Rd-2

Die Sonne steht schon ziemlich tief, aber wir halten noch einmal kurz, um die Burma Shave Schilder kurz vor Seligman zu fotografieren.

32-day5-Crookton-Rd-2

Einige Minuten später haben wir unser Tagesziel erreicht: Die Canyon Lodge, die inzwischen zu unserem „Stammmotel“ geworden ist. Dort hat  Reinhard, der deutschstämmige Geschäftsführer des Motels, unsere Zimmer reserviert. Wir beziehen wieder das „Marilyn Monroe“ Themenzimmer, wie schon zweimal vorher. Die Canyon Lodge verdient ein eigenes Kapitel, deshalb hier nur zwei Fotos aufgenommen von der oberen Terrasse des Motels.

33-day5-Seiligman-Canyon-Lodge

34-day5-Seiligman-Canyon-Lodge

Abends treffen wir Lynne und Frank Kocevar, die lange Zeit das „Seligman Sundries“ betrieben haben. Das Geschäft haben sie an deutsche Nachfolger verkauft und sie genießen jetzt ihren Ruhestand. Beide waren und sind der Route 66 sehr verbunden. Sie gehören zur „Community“. Frank‘s Hobby ist das Drehen von kurzen Videos über die Route 66, auch wir werden am nächsten Morgen Teil eines solchen Clips werden. Zum Essen treffen wir uns natürlich bei Lilo in ihrem West Side Cafe, DER Adresse für gutes Essen in Seligman. Auch Lilo‘s Geschichte werden wir später ausführlicher behandeln. Am Ende dieses wiederum so ereignisreichen Tages gibt‘s noch ein Gruppenfoto vor dem Mural am West Side Cafe. Die Kellnerin war so freundlich, uns alle abzulichten.

35-day5-lilos-frank-lynne

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s