Quapaw, Commerce, Miami – First Oklahoma Miles

Willkommen in Oklahoma, dem vierten Bundesstaat auf unserer Route 66 Reise. Indianerland, Dust Bowl, Tornados und über 400 Meilen Route 66. Oklahoma ist das Kernland der 66, und der eigentliche Geburtsort, denn der „Vater“ der 66, Cyrus Avery, ist ein Geschäftsmann aus Tulsa. Zwar nimmt Springfield, Missouri den Titel der „Geburtsstadt der 66“ für sich in Anspruch, weil dort die entscheidende Versammlung zum Bau der Straße stattfindet, doch da Avery in Tulsa lebt, wird der Bau des Highways von Oklahoma aus geplant und geleitet.

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In den 1930er Jahren erlangt die Route 66 große Bedeutung für die Farmer Oklahomas, denn sie ist für die von den enormen Staub-und Sandstürmen jener Zeit betroffenen Betriebe die einzige Hoffnung – der Weg nach Westen, nach Kalifornien, dem gelobten Land im goldenen Westen, der ihnen fruchtbare Böden und ein besseres Leben verspricht.

Die 1930er Jahren sind eh eine schwierige Zeit, die Weltwirtschaftskrise (Great Depression) hat auch Amerika erfasst. Im mittleren Westen verschärfen die verheerenden Staubstürme die Situation für die Landbevölkerung so sehr, dass ihnen nur die Flucht nach Westen bleibt. Die berüchtigte Dust Bowl ist ein hausgemachtes Produkt, denn durch die Rodung der Präriegräser zur Gewinnung von Ackerland erodieren die oberen Bodenschichten. Mehrere Hitzewellen sorgen dafür, dass die Menschen und ihre Farmen von den dabei entstehenden Sandstürmen regelrecht zugeweht werden. An eine Fortsetzung der Landwirtschaft in dieser Gegend ist nicht zu denken, und viele der Okies, wie die Bewohner genannt werden, verlassen ihre Ranches und Farmen, um sich in Kalifornien eine neue Existenz aufzubauen. Fast 15% der Gesamtbevölkerung Oklahomas
machen sich auf den beschwerlichen Treck nach Westen – und dazu benutzen sie die Route 66. John Steinbeck hat in seinem wohl bekanntesten Werk „Grapes of Wrath – Früchte des Zorns“ dem Schicksal der Okies ein Denkmal gesetzt. John Fords gleichnamiger Film aus dem Jahr 1940, für den er einen Oscar erhält, schildert die Erlebnisse der Farmerfamilie Joad auf dem Weg über die Mother Road gen Westen.

Die Bewohner Oklahomas sind mit Naturkatastrophen wohl vertraut. Die Dust Bowl ist seit langem vorbei und überwunden, doch das Gebiet liegt in Amerikas Tornado Alley, die sich von Nord nach Süd durch die Staaten des Mittleren Westens zieht. Jedes Jahr zur Tornadosaison im April/Mai/Juni wird das Land von den Twistern überzogen, die oft Schneisen der Verwüstung hinterlassen. Wir haben ja in Joplin schon mit ihnen Bekanntschaft gemacht, zumindest in der Erzählung der Menschen dort.

Auch die Bürger des ersten Route 66 Ortes in Oklahoma, Quapaw, können ein Lied davon singen. Ein trauriges allerdings, denn auch ihr kleines Städtchen wird im April 2014 von einem Tornado heimgesucht, der sich übrigens weiter nach Baxter Springs bewegt und auch dort, wie in Quapaw, große Zerstörungen anrichtet.

Wir haben Kansas auf der US69 nach Süden verlassen, die Staatsgrenze nach Oklahoma überquert und passieren dieses kleine Nest Quapaw. Es gibt ein paar Murals und alte Autos entlang der Straße, aber das ist es auch schon.

Nach weiteren sechs Meilen erreichen wir Commerce, wo wir uns zwei Tankstellen anschauen werden. Die erste, eine ehemalige Marathon Service Station aus dem Jahr 1925 liegt an der Commerce Ecke Main Street und beherbergt einen Burgerladen namens Dairy King.

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Gleich gegenüber drückt sich Allen‘s Fillin‘ Station an die Ziegelsteinmauer eines großen Gebäudes. Die Mini-Tankstelle wird um 1930 herum als Conoco Station erbaut, später wird sie zu einer Philipps 66. Dem Teil fehlt die Rückwand, denn die wird von der Mauer des angrenzenden Gebäudes zur Verfügung gestellt. Schön restauriert ist das Ganze inzwischen, die heutigen Besitzer Linda und Bobby Allen haben ein winziges Museum darin untergebracht.

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Bevor wir Commerce verlassen, soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch in diesem Städtchen Bonnie & Clyde ihre „Spuren“ hinterlassen haben und zwar in Form eines toten Mannes, namens Cal Campbell. Wer immer das auch war.

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Unser nächstes Ziel wäre dann Miami. Ja, richtig, Miami. Aber natürlich nicht der City-Moloch im Sunshine State, sondern ein Kaff in Oklahoma. Spricht sich auch ganz anders aus, wie man uns überall wissen lässt. „My-am-yuh“ – leicht zu merken, oder?
Der Name entstammt der Indianersprache. Ein Siedler namens Jim Palmer benennt die Stadt nach seiner Ehefrau, einer Angehörigen des Miami-Indianer Stammes.

Auch in Miami boomt der Blei und Zinkbergbau in den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Einwohnerzahl verdreifacht sich auch hier, ob es genauso zugeht, wie im kürzlich besuchten Galena, ist nicht überliefert, bzw. wir wissen es nicht.

Schmuckstück des Städtchens, das wir nach ein paar Minuten nachdem wir Commerce hinter uns gelassen haben, erreichen – die 66 führt schnurgerade nach Süden – ist das wunderschön restaurierte Coleman Theatre Beautiful aus dem Jahr 1929, komplett mit Kino, Bühne und Ballroom. George L. Coleman, ein Zink-und-Blei-Millionär lässt das Gebäude errichten. Ein bisschen Kultur kann den Minenarbeitern nicht schaden, wird er sich gedacht haben.

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Ebenfalls sehenswert ist die restaurierte Marathon Tankstelle an der Main Street. Schon wieder eine, aber diese kleinen Tanken aus den frühen Jahren der 66 sind wirklich Schmuckstücke.

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Werfen wir noch einen Blick auf Waylan‘s Ku Ku Burger mit einem schönen Neonschild, den wir verpasst haben, wenn wir wir am Coleman Theatre angelangt sind. Und warum sollte man Miamis Main Street nicht mal rauf und runter fahren?

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Und Bonnie & Clyde machen auch einen Stopover in Miami. Ohne „Casualties“, aber kurz bevor sie andernorts weiter im Süden von Kugeln durchsiebt werden.

Womit wir die ersten Meilen in Oklahoma hinter uns haben.

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