Chelsea, Foyil, Claremore – Will Rogers Country

Auf unserem Weg nach Westen passieren wir als nächstes das winzige White Oak, über das es nichts Nennenswertes zu berichten gibt. Kurz vor Chelsea müssen wir den Pryor Creek überqueren. Dazu benutzen wir aber nicht die „Main 66“, die hier vierspurig ist, sondern biegen ganz kurz vor der Pony Bridge auf die S4260 Road nach links ab.

Schon stehen wir vor einer weiteren historischen Brücke aus dem Jahr 1926. Inzwischen sind die Eisenstreben des Bauwerks von Bäumen überwuchert, aber drüber fahren kann man noch. Auch dieses ist wieder ein altes Route 66 Alignment, von denen wir ja schon einige kennen gelernt haben.

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Nach ein paar hundert Metern stoßen wir wieder auf die „neue“ 66. Allerdings haben wir das Chelsea Motor Inn verpasst, wo man durchaus übernachten kann, wenn man abends hier ankommen sollte. Einfach nach rechts ein kurzes Stück zurück fahren und man steht vor der Tür.

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Chelsea ist heute die Heimat von etwa 2000 Oklahoma-Seelen, also ein ziemlich kleines Nest. Gegründet wird das Städtchen im Jahr 1870 von einem ausgewanderten britischen Eisenbahnarbeiter, der es nach seiner englischen Heimatstadt benennt. 20 Jahre später wird in der Nähe Erdöl gefunden, was der Stadt über einige Jahrzehnte einen gewissen Wohlstand bringt. Es ist die erste erschlossene Ölquelle in Oklahoma, viele sollten noch folgen.

Vom ehemaligen Chelsea Motel ist nichts übrig geblieben, als das immer noch recht fotogene Neonschild am Straßenrand.

Nächste Station ist der gerade mal 200 Bewohner zählende Ort Foyil. Sagte uns überhaupt nichts, und wir haben nicht mal angehalten dort. Zu sehen gibt es auch nichts, höchstens die Statue von Andy Payne. Kennt ihn jemand? Wir mussten bei unserer 66 Tour im Mai letzten Jahres auch passen.

Andy Payne war der Sieger im ersten Trans America Foot Race im Jahre 1928. Payne, ein Angehöriger des Cherokee Stammes, benötigt 573 Stunden für die 5.500 KM lange Distanz zwischen Los Angeles und New York City. Das Rennen dient damals der Promotion der Route 66 und bringt Payne eine Geldpreis in Höhe von 25.000 Dollar ein. So gesehen, gehören Andy Payne und die Geschichte des Rennens durchaus zur Route 66.

Wen die Geschichte dieses mörderischen Wettlaufes interessiert findet hier Informationen: Klick

Außerdem kann man sich, so man etwas Zeit und Interesse hat, den World‘s Largest Totem Pole und noch viele weitere Exemplare in Ed Galloway`s Totem Pole Park ansehen. Dazu biegt man kurz vor Foyil rechts auf den Highway 28 ab und fährt vier Meilen geradeaus.

Zehn Meilen sind es noch bis Claremore, unserer nächsten Route 66 Destination. Hier werden wir uns mal etwas genauer umsehen.

Am besten, man parkt das Auto irgendwo in Downtown und schlendert den Will Rogers Boulevard entlang. Bald wird man ihm dann auch in Form einer Statue auf einer Bank sitzend begegnen – kurz hinter der Kreuzung mit der Cherokee Avenue. Wem? Na, Will Rogers natürlich. Die Stadt ist voll von ihm: Will Rogers Boulevard, Will Rogers Hotel (heute Will Rogers Senior Apartments), Will Rogers Memorial Museum.

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Wenn man hierzulande an ehemalige amerikanische Größen des Show oder Film- Business denkt, fallen einem Elvis Presley, Frank Sinatra, Dean Martin, John Wayne oder Clark Gable ein, vielleicht auch noch Charlie Chaplin oder Bob Hope. Aber Will Rogers?
In Amerika ist der Mann eine Legende. Und an der Route 66 erst recht. Kein Wunder, denn Claremore ist quasi seine Geburtsstadt. Und die feiert ihren Helden natürlich an jeder Straßenecke. Wer also war Will Rogers?

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Der Mann war ein echter Entertainer, ein Tausendsassa, ein Hans Dampf in allen Gassen, ursprünglich ein Cowboy aus dem tiefsten Oklahoma, 1879 geboren und aufgewachsen auf einer Ranch ganz in der Nähe von Claremore. Sohn des Senators Clement Vann Rogers (nach dem das ganze Gebiet hier Rogers County benannt ist). Die Eltern haben Cherokee Vorfahren – die Stadt ist eng mit der Geschichte der Cherokees verbunden – womit Will zu einem Viertel indianischer Herkunft ist. Rogers macht sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts weltweit einen Namen als Lasso-Künstler, Cowboy und Westernreiter, indem er mit verschiedenen Circus-Gruppen auf Tourneen geht, die ihn bis nach Australien, Neuseeland und auch nach Europa führen.

Nicht genug damit, denn es gehört natürlich auch Hollywood dazu, um in Amerika zum Star aufzusteigen. Rogers wird von Samuel Goldwyn 1918 engagiert, dreht seine ersten Filme und erweist sich nebenher auch als exzellenter Wortakrobat, der mit seinen Witzen, Anekdoten und Geschichten Politik und Gesellschaft jener Jahre auf‘s Korn nimmt. Heute würde man ihn als „Comedian“ bezeichnen. Es gibt ganze Sammlungen von Will Rogers Zitaten und Sprüchen: Klick

Insgesamt hat er in 70 Hollywood Produktionen mitgewirkt u.a. in Filmen von Star Regisseur John Ford. Rogers kommt im August 1935 bei einem Flugzeugabsturz in Alaska ums Leben. Ganz Amerika trauert um seinen Helden. Kein Wunder also, dass selbst die Route 66, die ein Stück seiner Heimat ist, nicht ohne Will Rogers sein kann. Im Jahr 1952 erhält die Straße den Zusatznamen Will Rogers Highway. Die Umbenennung findet nahe Texola an der Grenze zu Texas statt, dort steht auch der entsprechende Marker, auf den wir später, wenn uns die 66 Reise dort vorbei führt, zurück kommen werden. Zu lesen steht dort:

Will Rogers Highway
Dedicated 1952 to Will Rogers
Humorist – World Traveler – Good Neighbor
This Main Street of America
Highway 66
Was the first road he traveled in a career that
led him straight to the hearts of his countrymen.

Die ganze Geschichte kann man sich im Will Rogers Memorial and Museum, 1720 West Will Rogers Boulevard zu Gemüte führen.

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Und wem das noch nicht reicht, dem empfehlen wir einen Besuch der Will Rogers Birthplace Ranch – open daily 08.00 a.m. – 05.00 p.m. – ein paar Meilen außerhalb von Claremore am Oologah Lake. Genaue Informationen dazu erhält man im Museum. Wir waren um acht Uhr vor Ort – leider niemand sonst … das Tor war geschlossen. Warten konnten und wollten wir nicht, also kommt der Besuch dort auf die Bucket List. Klick

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Was gibt‘s noch in Claremore außer Will Rogers?

Artesische Quellen werden im Jahr 1903 entdeckt. Die Stadt wird sozusagen zum Bad – Bad Claremore. Eigentlich sucht man nach Öl, stattdessen gibt‘s nur warmes Wasser, aber auch das sorgt für einen touristischen Boom. Dann kommt die 66 und die damit verbundenen schon bekannten Einrichtungen. Nicht viel ist davon übrig geblieben, einzig das Claremore Motor Inn kann man noch als Route 66 Motel bezeichnen. Wir haben dort übernachtet. Empfehlenswert.

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Im nächsten Kapitel geht es dann zum „Whale Watching“ in Oklahoma.

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