Catoosa, Tulsa – Whale Watching & 66 History

Auf einer bestens vierspurig ausgebauten Route 66 verlassen wir Claremore in südwestlicher Richtung. Die Straße heißt hier S Lynn Riggs Blvd und führt uns nach wenigen Meilen nach Catoosa. Dieses Städtchen ist die Heimat des Blue Whale. Bevor wir ihn erreichen, überqueren wir den Verdigris River auf einer markanten Brücke. Davon gibt es mehrere in und um Catoosa. Sie alle überspannen die Arme des sogenannten McClellan-Kerr Navigation Systems, das Tulsa mit dem Golf von Mexico verbindet.

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Zurück zum Blue Whale. Das gute Stück erhebt sich rechter Hand am Ortseingang von Catoosa aus dem Wasser eines kleinen Teiches. Wie soll man das jetzt bezeichnen? Kitsch as Kitsch can? Oder eher ein Platz für Kiddies? Letzteres dürfte zutreffen. Der grinsende Wal aus blau bemaltem Eisen mag dem ein oder anderen potthässlich vorkommen – kein Wunder, es handelt sich wohl um einen Pottwal  … oder doch um einen Blauwal? Fragen über Fragen. Egal, das Ding hat es auf die Liste der Route 66 Roadside Attractions geschafft.

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Und das kam so:

Hugh S. Davis, ein „Pfadfinder, Fotograf, Zoologe, Lehrer, Vater von zwei, Großvater von vier, Urgroßvater von neun und Freund von vielen“ … so jedenfalls wird der Schöpfer des Blue Whale von seiner Tochter, Dee Dee Davis Belt in einem Buch der Catoosa Historical Society beschrieben.

Lassen wir sie weiter erzählen: „Hugh glaubte daran, dass jeder Tag ein wunderschöner Tag sei, dass die Menschen ihre gottgegebenen Talente nutzen sollen, dass man jederzeit Pläne haben und kreativ sein sollte, dass man lieben sollte, was man tut und tun, was man liebt. Dass man das, was man beginnt, auch beenden und man das Leben in vollen Zügen genießen sollte.

Der Teich auf dem Besitz der Familie Davis war immer ein Platz zum Spaß haben. Bevor es den Wal gab, spielten die Kinder der Familie und ihrer Freunde hier. Kanus und Flöße wurden gebaut, Fische gefangen. Im Teich geschwommen. Picknick im Sommer, Eislaufen im Winter. Hugh selbst hatte immer irgendwelche Projekte im Auge, er baute Möbel, die Alligator Ranch oder was auch immer, er war stets beschäftigt. In den späten 1960er Jahren, da war er schon 60 Jahre alt, kam ihm die Idee einen „Fisch“ zu konstruieren, den er am Ufer des Teiches installieren wollte. Aus dem Fisch wurde schnell ein Wal, immer größer und größer wurde er, gezeichnet zuerst auf Servietten, dann auf immer größer werdenden Papierblättern. Es gibt Aufzeichnungen über das Material, das er benötigte:

Metal lathe – 180 sq. ft. per bundle; 14 bundles would go 2,520 sq. ft. at a cost of $215.70
2” pipe – will need 1,179 feet for $451.00
3/4” & 7/8” rods; 2,650 feet for $77.50
100 ft. of 1” pipe
Dry concrete – 126 sacks for $228.79
Ready-mix concrete – 19 ½ yds. For $296.08
19,400 pounds of rock
15 tons of sand
20” nails, copper tubing and screening for $40.76
Wood – 2,454 linear feet for $473.93

Um seinen Plan zu verwirklichen benötigte er Hilfe beim eisernen Rahmen, dem Skelett des Wals. Die bekam er von Harold Thomas, einem Schweißer, der 100 Arbeitsstunden dazu benötigte und keinen Cent dafür nahm. Es machte ihm Spaß, einem Nachbarn und Freund zu helfen. Zwei Jahre, von 1970 bis 1972, dauerte es, den Wal fertig zu stellen.

Im Juli 1972 zieht der damals noch unbemalte Wal die ersten Touristen an, die sich mit ihren Kindern von der Schwanzflosse ins Wasser stürzten, ihre Köpfe durch die Löcher im Gesicht des Wals steckten oder von seinen Flossen herab rutschten.

Alles lief gut, während der Blaue Wal in „Operation“ war. Nie wurde jemals ernsthaft verletzt, nie wurde jemals von einer Schlange gebissen oder gab es sonstigen Ärger. Es war eine gute Zeit, es war ein guter Platz.

Im Jahr 1988 wurde der Blue Whale geschlossen, da Hugh‘s Gesundheit ihm zu schaffen machte. Er starb am 11. Januar 1990. Seine Frau Zelta, der er den Wal als Geschenk zu einem ihrer Hochzeitstage gemacht hatte, verstarb am 1. August 2001.

Heute gehört der Blue Whale Dee Dee (Davis) Belt und ihrem Mann Dick. Blaine, Hugh‘s Sohn und dessen Söhne John und Paul sorgen heute dafür, dass das Gelände in Ordnung gehalten wird. Die Tore bleiben geöffnet, so dass die Leute am Blauen Wal weiterhin ihren Spaß haben können.

Die Restaurierung des Blue Whale wird seit 1997 von der Chamber of Commerce in Catoosa, von so manchem Freiwilligen, von privaten Firmen und vom örtlichen Hampton Inn betreut und finanziert, um diesen Ort zu erhalten.“

Soweit Dee Dee Davis, dem ist nun nichts mehr hinzuzufügen – womit wir die Geschichte des Blue Whale of Catoosa kennen.

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Auf der anderen Straßenseite döst übrigens der Arrowhead Trading Post vor sich hin. Der wurde über lange Zeit von Hugh Davis‘ Schwager, Chief Wolf-Robe, einem vollblütigen Acoma Indianerhäuptling betrieben.

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Allzuviel mehr gibt es über Catoosa nicht zu berichten, deshalb machen wir uns auf den Weg nach Tulsa, der zweitgrößten Stadt Oklahomas. Dort leben fast 400.000 Menschen, eine Großstadt also. Die Straßenführung ist wieder etwas kompliziert, aber in größeren Städten ist das manchmal nicht zu vermeiden. Von Catoosa aus geht‘s in südwestlicher Richtung auf die Cherokee, dann links bis zur US167. Der folgen wir nach Süden, unter der I44 hindurch (Achtung: Das „OK Hwy 66“ Zeichen bitte ignorieren!) bis es rechts auf die 11th Street abgeht. Jetzt immer geradeaus weiter durch die Stadt. Nach der Unterführung unter der 75 folgt ein Kreisverkehr. Dort eine dreiviertel Runde drehen und auf die 10th Street abbiegen. Nach ein paar hundert Metern halb rechts halten, die Route 66 heißt jetzt wieder 11th Street. Weiter bis zur Kreuzung mit der Denver Avenue, kurz danach halb links auf die West 12th Street und dieser folgen bis zum Cyrus Avery Centennial Plaza. Dort parken wir mal unser Auto. War wieder nicht ganz so einfach, aber glücklicherweise ist die Beschilderung mit den braun-weißen 66 Schildern sehr gut.

Allerdings haben wir schon so einiges verpasst. Da wäre z. B. Tally‘s Cafe an der Ecke 11th und Yale Street. Wir haben dort prächtig zu Mittag gegessen. Kann man absolut empfehlen.

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Vorher haben wir schon das Oasis Motel mit seinem hübschen Neon passiert. Auf der rechten Seite der 11th, gleich hinter dem Mingo Creek. Es folgt das Rose Bowl Event Center, dessen Schild wir auch mal fotografiert haben. Knapp zwei Meilen danach passieren wir das ebenfalls rechter Hand gelegene Western Inn Motel (Mural) und das Desert Hill Motel (auf der linken Seite), das ebenfalls ein ansehnliches Neon zu bieten hat, aber dessen Kritiken, was Übernachtungen angeht, eher gemischt sind.

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Noch ein paar Eindrücke von der 11th Street aka Route 66.

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Ein kleiner Abstecher auf ein pre-1932 Alignment führt zur Blue Dome Gas Station aus dem Jahr 1925. Die sieht nicht aus, wie eine Tankstelle, eher wie eine kleine Moschee mit blauer Kuppel. Heute beherbergt sie Arnie‘s Bar. So ändern sich die Zeiten. Um dorthin zu kommen, fährt man hinter dem oben erwähnten Kreisverkehr an der ersten Ecke rechts ab auf die South Detroit bis zur Ecke 2nd Street. Dort rechts rein und man ist da. Der ganze Blue Dome District ist ein kleines Viertel für sich mit Restaurants, Bars und Geschäften.

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Zurück zu Cyrus Avery und seinem Denkmal am Centennial Plaza. Über ihn hatten wir schon ein paar Sätze in der Einleitung zu diesem Thread geschrieben. Deshalb hier nur ein Link zu seiner Rolle als „Vater der Route 66“: Klick

Das Denkmal ist erst im Jahre 2012 auf dem Platz errichtet worden und besteht aus zwei voluminösen Bronzeskulpturen, die unter dem Namen East meets West einen 1926er Ford und ein Pferdegespann darstellt. Was Westen und was Osten sein soll, ist leicht zu deuten. Drumherum die Flaggen der acht Route 66 – Bundesstaaten.

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Natürlich werfen wir noch einen Blick auf die historische Cyrus Avery Memorial Bridge die seit dem Jahr 1916 den Arkansas River überspannt und seit Bestehen der Route 66 ein Teil der Strecke ist. Seit 2004 trägt sie den Namen des Route 66 Gründers. Die Brücke war einst eine wichtige Verbindung zwischen Downtown Tulsa und den Ölfeldern im Westen. 18 Betonbögen sind das Herzstück der Brücke, die damals sowohl von der Eisenbahn, als auch vom Autoverkehr (als Route 66) genutzt wurde. Die Schienen gibt es inzwischen nicht mehr und da die Brücke seit 1980 geschossen ist, wuchert Gras auf dem rissigen Asphalt.

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Wir überqueren den Arkansas River gleich neben der alten Brücke auf dem Southwest Boulevard in südlicher Richtung. Die I-244 wird überquert und man befindet sich jetzt in Red Fork, einem Vorort von Tulsa. Sollte jetzt jemand vom Hunger geplagt sein, kann er einen Stopp an Ollie‘s Station Restaurant, gleich hinter der Überführung über die Interstate einlegen. Das Besondere an diesem Restaurant scheint aber nicht das Essen zu sein – dafür gibt‘s durchweg schlechte Noten – sondern die Modelleisenbahn, die über den Köpfen der Gäste unter der Decke entlang schnauft. Dazu gibt es jede Menge Eisenbahn-Deko. Wir haben es bei ein paar Bildern von außen belassen.

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Damit wollen wir dieses Kapitel schließen und hoffen, dass es nicht zu viele Bilder geworden sind.

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