Stroud and Davenport – Oklahoma 66 Highlights

„The Rock“ – das ist unser nächstes Ziel an der Route 66. Nein, nicht der in der San Francisco Bay, unser „Rock“ liegt in Stroud, Oklahoma. Dass man das Rock Cafe so nennt, liegt eigentlich nahe. Aber der Reihe nach. Wir haben Depew verlassen und folgen der ausgeschilderten 66 nach Stroud. Die Old US 66 verläuft rechter Hand fast parallel, die Straße hat aber diverse Löcher im Beton und das Befahren ist nicht zu empfehlen. Womit wir in Stroud angekommen wären. Auch eine Stadt, in der ganz schön was los war in den wilden Zeiten des frühen 20. Jahrhunderts.

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In dieser Stadt kann man Whiskey konsumieren, schon damals in den 1890er Jahren. Das benachbarte Indianerland ist „trocken“ – kein Feuerwasser, also nutzen die Cowboys Stroud als „Ausweich-Bar“.

Bis 1907 ging es dort ziemlich wild zu – „Hell Raising Town“ wird Stroud genannt. Nicht weniger als neun Saloons schütten den Whiskey in die durstigen Cowboys. Dann wird die Stadt vom Staat Oklahoma als „dry“ erklärt. Was zuviel ist, ist zuviel. Als Ausgleich dienen Banküberfälle, damit es nicht langweilig wird in Stroud. Am 27. März 1915 knacken „Outlaw“ Henry Starr, ein böser Bube unter den Cherokee Indianern, und seine Gang gleich zwei Banken gleichzeitig. Doch die Bürger Strouds sind nicht faul und machen sich auf, die Gang zu stoppen, was ihnen zumindest teilweise gelingt. Die allfälligen Schießereien enden mit der Festnahme von Starr und seinem Kumpel Lewis Estes, wogegen der Rest der Bande mit 5800 harten Dollars auf Nimmerwiedersehen entschwinden kann. Danach wird‘s ruhiger in Stroud. Die Route 66 bringt bescheidenen Wohlstand in Form der üblichen „Begleiterscheinungen“: Motels, Restaurants, Tankstellen.

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Roy Rieves heißt der Mann, der „The Rock“ erfindet. Er steckt all seine Ersparnisse in den Bau eines Cafés, das er aus den Steinen erbaut, die durch das Aufbringen von Asphalt auf die Straße überflüssig werden. Am 4. August 1939 öffnet das Rock Cafe seine Pforten. Es geht im Laufe der Jahre durch mehrere Hände, Rieves selbst betreibt es nie, verkauft es aber erst 1959 an eine Dame namens Mamie Mayfield. 25 Jahre lang hält Mamie durch -mit einem rund um die Uhr Service. 1983 wirft auch sie das Handtuch, an der 66 ist nicht mehr viel zu verdienen, hier, wie anderswo. Der Turner Turnpike lässt den Verkehr an Stroud vorbei fließen.

Zehn Jahre später, 1993 beginnt das zweite Kapitel in der Geschichte des Rock Cafes. Und was für ein Kapitel! Dawn Welch, eine junge Frau mit Energie für zehn, kauft das Café und macht es zu einer Institution an der sich langsam wieder belebenden Route 66.
Aber nicht nur das, Dawn hat noch ein paar Nebenjobs. „During my tenure at the Cafe, I was also Assistant Manager of Tanger Outlet Mall, a licensed Oklahoma private investigator & security guard, an American Airlines Flight Attendant, studio manager in Los Angeles, and mentor for new business women in far away lands.“

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Und eine Familie, die voll ins Geschäft integriert ist, gibt es auch noch. Dann kommt das Jahr 2008. „The Rock“ wird ein Raub der Flammen! Nur die alten Mauern aus den Route 66 Steinen bleiben übrig. Das wäre für die meisten das Ende gewesen, nicht aber für Dawn Welch. Es dauert ein Jahr und ein paar Tage bis das Rock Cafe wieder da steht, als ob nichts gewesen wäre. Alles wieder aufgebaut, Dawn und ihre Familie machen weiter.
So sah es nach dem Feuer aus: Klick

Dawn ist übrigens das „Vorbild“ für die Figur „Sally Carrera“ aus dem Disney-Pixar Film „Cars“ – der mit den Autos mit Augen – die Dawn zusammen mit John Lasseter, dem Regisseur des Films, entworfen hat. Die Mitglieder der Filmcrew sind während der Arbeiten an „Cars“ ständige Gäste im „Rock“. Daran erinnern die beiden hölzernen Aufsteller vor dem Eingang. Lightning McQueen und der Sheriff lassen grüßen.

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Hier ein Video über das Rock Cafe und Dawn‘s Geschichte: Klick

Natürlich halten wir an dieser Route 66 Roadside Attraction. Drinnen werden wir sehr nett bedient, das Essen ist prima und unsere großen Trinkbecher dürfen wir behalten.

Gleich neben dran ist übrigens auch noch ein Gift Shop, hatten wir ja etwas länger nicht mehr. Eigentlich sieht er gar nicht so aus mit der rostigen Badewanne vor der Tür.

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Wir müssen wieder über‘s Wetter reden, da wir uns immer noch in der Tornado Alley bewegen. Auch Stroud bleibt davon nicht verschont. Anfang Mai 1999 kommt es in Oklahoma zu einem regelrechten „Tornado Outbreak“, als über mehrere Tage hinweg „Twisters“ über das Land ziehen und große Zerstörungen anrichten. In Stroud kommen glücklicherweise keine Menschen zu Schaden, aber die gesamte Tanger Outlet Mall wird so nachhaltig zerstört, dass sie nie wieder neu errichtet wird. Auch das Municipal Hospital wird in Mitleidenschaft gezogen. Beide Einrichtungen sind jedoch rechtzeitig evakuiert worden. Diese Jahreszeit hat es also in sich, hier in Oklahoma. Wir erfahren das jeden Abend durch den Weather Channel, der uns über die Situation während unserer 66 Reise auf dem Laufenden hält, soweit das möglich ist. Wir schreiben den 8. Mai 2015 und der wird uns in Erinnerung bleiben…

In Sichtweite des Rock Cafes auf der linken Seite der 66 (hier Main Street) prangt ein sehr schönes Coca Cola Mural an der Ziegelsteinwand eines alten Gebäudes. „Stroud Arts“ ist auf die Schaufensterscheiben gemalt. Ein Stück weiter auf der rechten Seite fällt das sehr schöne Neonschild des Skyliner Motels sofort ins Auge.

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Auch in Stroud gibt es ein altes 66 Alignment, das zwischen 1923 (also pre-66) und 1930 in Gebrauch war. Es handelt sich um eine Kombination von Dirt Roads südlich der Hauptstrecke, die dem schon erwähnten Ozark Trail folgt. Wer sie fahren möchte:
Von der Main Street beim Skyliner Motel nach links abbiegen auf die 8th Ave. Dann gleich rechts auf die Central. Nach einer Meile wieder links auf die Old Stroud, dann die erste wieder rechts (Elm Street bzw. E880). Weiter bis zur Ozark Trail Road bzw. 26th oder N3540 Road, dort nach links (Süden) abbiegen. Man erreicht einen Ozark Trail Marker in Form eines Obelisken (davon gibt es noch insgesamt sieben Stück entlang des Ozark Trails). Dort rechts einbiegen auf die E890 Road, die nach kurzer Zeit wieder auf die Hauptroute trifft. Wir sind die Strecke nicht gefahren, es hatte geregnet und wir wollten uns nicht durch den Schlamm quälen. Viel zu sehen, außer dem Obelisken, gibt es eh nicht.
Von hier sind es nur noch zwei Meilen bis Davenport, dem nächsten Städtchen auf unserer Route.

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„Welcome to Davenport“ – ein kleines Mural, aufgestellt an der Abzweigung nach Downtown, begrüßt die 66 Reisenden und ist nicht zu übersehen. Hier halten wir an, denn gleich dahinter erblickt man den Early Bird Diner, der sich in den Mauern einer restaurierten Route 66 TexacoTankstelle befindet. Natürlich stehen alte Zapfsäulen davor, so wie es sich für eine Filling Station gehört.

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Ein Stück weiter wird eifrig an einem neuen Route 66 Reklameschild geschraubt: Gar Wooly‘s Pub and Grill wird wohl inzwischen den Betrieb aufgenommen haben. Gleich daneben ein Garagen-Kramladen für „second hand“ oder „third hand“ Waren aller Art. US „Antiques“ sozusagen.

Die Route 66 macht am Ortseingang einen Bogen nach rechts und würde uns komplett an Davenports „Innenstadt“ vorbei führen. Aber dann würden wir ja was verpassen. Also fahren wir geradeaus auf die Broadway Avenue. Es rattert unter den Rädern des Autos, wir fahren über Ziegelsteine. Die Davenport Brick and Tile Company produziert in den 1920er Jahren ihre Erzeugnisse in der Stadt. Und da die Route 66 für mehr Verkehr in Davenport sorgt, ist es notwendig, den bis dahin unbefestigten Broadway den Bedürfnissen der Automobilisten anzupassen. Die roten Ziegelsteine, auf denen wir jetzt fahren, stammen aus dem Gründungsjahr der 66 und sind seit 1926 unverändert erhalten geblieben.

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Davenports Downtown ist winzig, deshalb ist es kein Problem die beiden großen Murals zu entdecken, die Szenen aus der Geschichte der Stadt darstellen. Für Freunde dieser Wandbemalungen ein absolutes MUSS. Und deshalb lohnt sich der kleine Abstecher.

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Der Himmel über uns ist weiterhin grau, und wird immer düsterer. Womit wir wieder beim Wetter sind. Also nichts wie weiter nach Chandler, unserem nächsten Ziel. Dort haben wir eine Verabredung. Und es fängt leicht an zu regnen …

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