Chandler – Tornado Alert

 

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Ganze zehn Kilometer trennen uns von Chandler, nachdem wir Davenport in exakt westlicher Richtung verlassen haben. Dort angekommen, steuern wir schnurstracks eine bestimmte Adresse an: 306 Manvel (Hwy 18). Wir wollen Jerry McClanahan besuchen.

Jerry, den wir ja schon in der Einleitung erwähnt haben, hat sich mit Haut und Haaren der Route 66 verschrieben. Als Kind ist er mit seinen Eltern in den 1960er Jahren auf dieser Straße entlang gefahren. Mehr als einmal geht es über die Route 66 in den Urlaub nach Arizona oder Kalifornien. Lassen wir ihn mit seinen eigenen Worten schildern, was die 66 für ihn bedeutet:

Route 66 was my „vacation road.“

Our family’s many summer sojourns down „The Main Street of America“ during the Sixties etched an indelible succession of stunning roadside visuals into my eager eyes. Route 66 fueled a backseat fantasy of the majestic and mysterious west, a wonderland of mountains and mesas, Cowboys and Indians, neon signs and gaudy billboards. These rapid-fire visuals, framed through the family Ford’s bug streaked windshield, became the strong recollections of a boy’s wistful yearnings as the roadside marvels blurred by, just out of reach.

Those nostalgic visions of roadside wonders kept simmering in my subconscious through my high school and college years, sometimes emerging as sketches of Stuckey’s signs and old cafes. My Dad and I made a special Route 66 trip back out to California in 1981; this time I made him stop at everything. Tantalizing glimpses of older pavement led me to research old highway maps for the early routes. Frequent Route 66 pilgrimages followed, beginning in 1983, each bringing some forgotten aspect of the road to light, each increasing my desire to see more.

To me, Route 66 is a fascinating puzzle, an archeological dig of over 2448 miles, through over 7 decades of roadside Americana. My desire to discover as much of the old alignments of Hwy 66 as possible led in 1994 to collaboration with fellow road historian Jim Ross on „Here It Is!“ the best-selling 8-state set of Route 66 maps, and in 1998 to „Bones of the Old Road,“ a video exploring mysterious „lost“ sections of the early roadway (with videographer Kathy Anderson). 2005 brought the acclaimed „EZ 66 Guide for Travelers,“ a complete guide to touring Route 66 which I researched, authored and illustrated, published by the National Historic Route 66 Federation. I have written extensively for Route 66 Magazine, the Route 66 Federation News and American Road, where I am a Department Editor.

Preserving and restoring Route 66 scenes through my artwork is another way I can contribute to this commemoration and celebration of our highway heritage. I am proud that my work is found in private and corporate collections in this country and abroad, and that it has been exhibited in shows across the country, both on and off the route. My Route 66 artwork and photos have appeared in periodicals as diverse as Historic Traveler, Popular Mechanics, and Playboy of Brazil, as well as in many books. The special visual „fix“ I acquired as a child still haunts me. However, Route 66 is now much more than just the „vacation road“ to me, as I have learned of the other roles this highway has played in our country’s development. My works may reflect the lean times of the dustbowl days, as well as the triumphs of tourism. I frequently feature old cars in my scenes, often done on request by the vehicle’s proud owners. The ’66 culture was primarily a car culture, its resources (indeed its very pavement) dedicated to expediting the progress of the auto and its occupants, while providing a livelihood for those trying to make a living along its flanks. As of 2008, I have joined those ranks of roadside entrepreneurs, opening my Route 66 Gallery just off Route 66 in Chandler, Oklahoma.

I feel a kinship with those roadside entrepreneurs who staked their lives on two lanes of pavement and a steady stream of traffic. Behind the brightly lit facades are the people and their stories. They make their presence known in my artwork, sometimes in a subliminal shape glimpsed through a window, other times posing proudly along the road. I have visited with many of these business people through the years; we share a dependency on the old highway and a love for simpler times not too far past.

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Jerry ist eine Route 66 Legende. Man kann ihn in seiner Galerie besuchen, er freut sich über jeden, der kommt. Natürlich freut er sich auch, wenn man eines seiner Route 66 Werke erwirbt, aber das ist kein Muss, Jerry beantwortet gerne alle Fragen seiner Gäste.
Was man von ihm aber unbedingt besitzen sollte, ist der EZ66 Guide, inzwischen in der 4. Auflage erhältlich. Bei ihm oder anderswo in allen 66 Gift Shops erhältlich. Und Jerry signiert Euch das Buch gerne. Das Buch ist ein kleines oder sogar ein etwas größeres Kunstwerk. Die Karten sind alle handgezeichnet, die Beschreibungen der Straßenverläufe der 66 sind akkurat, korrekt und unverzichtbar, wenn man auch die eher unbekannten Route 66 Alignments suchen und befahren will.

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Wir unterhalten uns recht lange mit ihm, er zeigt uns natürlich gerne seine Gemälde und Zeichnungen. Zwei davon nehmen wir mit. Dafür findet sich zu Hause schon ein Platz an der Wand. Und natürlich kommen wir auf‘s Wetter zu sprechen, wie schon oft an diesem Tag. Draußen wird es immer dunkler, der Regen wird stärker, der Wind auch. Es sind Tornados unterwegs im Mittleren Westen, auch an diesem Abend. Und für Chandler sind starke Gewitter vorher gesagt.

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Wir haben unser Zimmer im Lincoln Motel gebucht, gar nicht weit entfernt. Es ist eines der „alten“ Route 66 Motels. Charmant, aber einfach. Ob es einem Tornado standhält? Wir haben keine Erfahrung mit diesen Situationen und sind schon etwas besorgt. Für den Fall der Fälle bietet uns Jerry sein Tornado-Shelter an. Gut gemeint, aber beruhigend ist es eher weniger. Mit mulmigem Gefühl verlassen wir ihn und fahren rüber zum Lincoln. Langsam wird es dunkel, windiger, bedrohlicher. Und es fängt an zu regnen. TV Gerät ist auf Empfang, wir beobachten die Front über den Weather Channel. Dann quakt es aus dem Fernsehgerät: „Severe thunderstorm warning for your area!“ Okay, das geht ja noch, Gewitter, Sturm und Regen – wir brauchen nur aus dem Fenster zu schau‘n. Inzwischen ergießen sich Sturzbäche vom Himmel. Überflutete Straßen können die Folge sein. Ob wir morgen, wie geplant, weiter fahren können? Das müssen wir abwarten. Notfalls „drumrum“ fahren. Aber jetzt aus dem Fernseher: „Severe tornado warning for your area!“. Jetzt werden wir doch etwas nervös. Was tun? Es ist stockdunkel draußen, da sieht man keinen Tornado kommen, und wenn, wäre es eh zu spät. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten. Noch sind keine Sirenen zu hören. Jerry sagte, man hätte zehn Minuten Zeit, wenn man die Sirenen hört. Zehn Minuten? Um ein Shelter zu finden!

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Die Tornado Warnung ist zeitlich begrenzt, noch ein paar Minuten, dann müsste die Entwarnung kommen. Und tatsächlich, sie kommt. Jetzt heißt es wieder nur: „thunderstorm warning“. Glück gehabt. Mit so einer Situation haben wir nie gerechnet. Und es ist eine Erfahrung mehr. Draußen ergießen sich immer noch Sturzbäche vom Himmel, das Tosen der Elemente an diesem finsteren Abend ist schon sehr beeindruckend. Zum Glück ist der Strom nicht ausgefallen, was bei der mittelalterlichen Elektrifizierung in den Staaten zu erwarten gewesen wäre. Also können wir den Abzug der Wetterfront live im Fernsehen verfolgen. Und tief durchatmen.

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Am nächsten Tag erfahren wir, dass der Tornado zehn Meilen südlich von uns vorbeigezogen ist, durch unbewohntes Gebiet. Es ist nichts passiert, zumindest nicht hier in Chandler. Der mittlere Westen ist in diesem Jahr extrem betroffen von Stürmen und Überschwemmungen. Oklahoma City, das noch vor uns liegt, hat sehr viel abbekommen. Aber auch dort werden wir Glück haben und ohne Umwege durchkommen.

Es ist schon eine ganze Weile her, dass Chandler von einem Tornado heimgesucht wurde. 1897 war das, am 30. März. Der gesamte damalige Geschäftsbezirk des noch jungen Städtchens wird hinweg gefegt, kein Stein und kein Balken bleibt auf dem anderen, 14 Menschen kommen ums Leben.

Chandler profitiert in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, wie so viele andere Ansiedlungen in Oklahoma, vom Ölboom jener Zeit. Mit der Route 66 und dem späteren Bau der Interstate kommen „Rise and Fall“, wie auch in den anderen Orten entlang der Straße. Heute ist die Landwirtschaft die Haupteinnahmequelle der knapp 3000 Einwohner zählenden Stadt.

Sehenswert in Chandler sind das Route 66 Interpretive Center im ehemaligen Waffenarsenal (Armory): Klick und die kleine, inzwischen restaurierte Route 66 Phillips Tankstelle mitten in Downtown. Eine weitere alte Tankstelle befindet sich an der Einmündung der 66 (Manvel Ave.) in die W15th Street. Auch hier hält eine rostige Sinclair-Zapfsäule die Stellung.

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Und natürlich das Lincoln Motel mit seinem klassischen Neon, in dem wir diese Sturmnacht verbracht haben.

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