Warwick, Luther, Arcadia – Runde Scheune und Limonade

Weniger stürmisch geht‘s jetzt weiter, bei zwar immer noch grauem Himmel, aber beträchtlich weniger Regen und Wind. Natürlich hätten wir gerne etwas bessere Fotolicht gehabt, aber vorerst müssen wir uns und ihr euch mit den grauen Wolken abfinden. Am Ortsausgang von Chandler macht die 66 einen 90 Grad Rechtsknick und führt als West 15th Street aus der Stadt hinaus.

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Der nächste Ort, acht Meilen westlich von Chandler ist Warwick, inzwischen eine zumindest Semi-Ghost Town. Sie teilt ihr Schicksal mit so manch anderen Orten an der Mother Road. Seit der Inbetriebnahme der Interstate sterben diese Gemeinden einen langsamen Tod. Warwick ergeht es nicht anders. Der Bahnhof verschwindet, das Post Office und mit ihnen all die Geschäfte, Tankstellen, Hotels. Heute ist kaum noch etwas übrig geblieben, außer ein paar verstreuten Häusern und einer weiteren restaurierten Tankstelle, eine ehemalige Seaba/DX Station, direkt an der Einmündung der 177. Sie beherbergt ein kleines Motorradmuseum.

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Schnurgerade führt uns die 66 jetzt nach Wellston, das eine hübsche kleine Downtown aufzuweisen hat. Dazu muss man rechts auf die 66B abbiegen, die wiederum ein älteres Alignment (pre-1933) ist. Die 66B führt als Ash Avenue in nördlicher Richtung durch das Städtchen und biegt dann als 2nd Street nach links ab. Es geht über eine kleine Eisenbrücke, die aus dem Jahr 1933 stammt über den Captain Creek und kurz darauf hat man wieder die ursprüngliche Strecke erreicht.

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Das kleine Kaff Luther wird von der 66 glattweg links liegen gelassen. Hinter Luther macht die Straße eine langgezogene Linkskurve, an deren Außenseite sich The Boundary befindet. Ursprünglich ebenfalls eine Route 66 Tankstelle, kann man heutzutage in dem hübschen Holzbau gemütlich essen und trinken. Falls man zu den Öffnungszeiten dort eintrifft, natürlich. Wir waren zu früh dran, es war geschlossen. Vor 11.30 tut sich hier nichts.

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East Danforth Road heißt die 66 jetzt und sie wird uns jetzt nach Arcadia führen. Etwa eine Meile vorher geht links ein weiteres altes Alignment ab, die East Old Highway 66. Diese trifft nach ein paar hundert Metern schon wieder auf die Danforth/66. Kurz vor dem Abzweig erblickt man rechts die Ruine einer weiteren Tankstelle.

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Angeblich soll der Round Barn in Arcadia das meistfotografierte Objekt an der ganzen Route 66 sein. Wir lassen das mal dahingestellt, auf jeden Fall hält hier jeder an, denn dieses Bauwerk ist einfach zu auffällig, als dass man es einfach ignorieren könnte.

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Bei schönem Wetter leuchtet das runde Teil in kräftigem Rot, leider war es uns nicht vergönnt, den Barn im Sonnenschein zu fotografieren. Erbaut wird der Round Barn im Jahr 1898 von William und Myra Odor. Dieser Mr. Odor ist ein hartnäckiger Bursche, der sich gegen seine Nachbarn durchsetzt, die allesamt der Meinung sind, dass ein derartiges Vorhaben, zumindest in den angedachten Dimensionen gar nicht durchführbar sei. Odor schafft das kleine Wunder, indem er das noch grüne Eichenholz so lange in Wasser tränkt, bis es biegbar genug ist, um seinen Vorstellungen zu entsprechen. Es muss eine verdammt harte Arbeit gewesen sein, auf diese Weise, die riesige Scheune zu erbauen. Durchmesser ca. 18 Meter, Höhe ca. 13 Meter. Und ein Faible für Country Musik haben die Odors auch, nutzen sie doch das obere Stockwerk der Scheune als Dance Hall, während unten die Kühe muhen und die Schweine grunzen. Man stelle sich das Ganze mal bildlich vor, wie das so gewesen sein könnte, damals vor über 100 Jahren. Die Route 66 gibt es ja noch gar nicht zu jener Zeit. Als es sie dann gibt, wird der Round Barn zu einer Attraktion, einem Landmark, eben zum meist geknipsten Objekt entlang des weiten Weges nach Westen.

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Mit dem Niedergang der 66 und dem mehrmaligen Besitzerwechsel verliert der Barn an Attraktivität und auch an Substanz. Das Gebäude ist bald sanierungsbedürftig. Ja, schlimmer noch, das gesamte Dach der runden Scheune bricht ein. Dies geschieht im Jahr 1988. Guter Rat ist teuer, im wahrsten Sinne des Wortes. Soll man die Ruine einfach so stehen lassen? Wäre ja nicht ungewöhnlich für amerikanische Verhältnisse. Doch jetzt kommt ein Mann namens Luther „Luke“ Robinson zu Hilfe. Luke will das Ding retten und trommelt noch ein paar mehr Pensionäre zusammen (er selbst hat ebenfalls die Rente „durch“). Die Herren geben sich den passenden Namen The Over The Hill Gang und gehen ans Werk. Sie opfern Zeit und Geld, rekrutieren freiwillige Helfer in großer Zahl, sie verkaufen die in Amerika so beliebten Inscription Bricks, auf denen sich jeder Spender namentlich verewigen darf und eine Spendenbox am Straßenrand darf auch nicht fehlen. Schließlich gelingt das Kunststück, den Barn für ca. 65.000 Dollar zu restaurieren (angesetzt waren 165.000 Dollar). Und damit bekommt die Route 66 wieder eines ihrer Schmuckstücke zurück.

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Wieder sind wir zu früh vor Ort, man öffnet erst um zehn. Also bleibt es bei einer Besichtigung von außen und ein paar Fotos von der Umgebung.

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Wir fahren weiter und zwar zum Frühstücken und dazu gibt‘s Limonade satt. Na ja, sie haben auch Kaffee im Pops.

Pops, das ist unser nächstes Ziel. Passenderweise müssen wir zuerst den Coffee Creek überqueren, bevor wir an der gigantischen Limopulle eintreffen.

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Für Liebhaber dieser süßen Getränke ist Amerika das Land der Träume, der süßen Träume in ungezählten (Limonaden)-Variationen. Es gibt sie überall, in jedem Supermarkt, jeder Tankstelle, kistenweise. Dass es folglich auch einen National Lemonade Day gibt, verwundert nicht. Und wo könnte man ihn besser begehen, als im Pops in Oklahoma. Nun sind die wenigsten von uns ausgerechnet am 20. August, dem erwähnten National Lemonade Day, in Oklahoma, also zelebrieren wir unseren eigenen Limonadentag halt an diesem grauen Morgen im Mai. Pops ist ein Limonadenpalast. Ein Diner, eine Tankstelle. Nicht zu übersehen, die riesige futuristisch gestaltetet Limonadenflasche, das Wahrzeichen dieser Route 66 Attraction. Es wiegt vier Tonnen und ist 66 Fuß hoch – und die sind kein Zufall, wir befinden uns schließlich an der Straße mit dem passenden Namen. Beleuchtet wird es allerdings durch LEDs, das gute alte Neon wäre in dieser Größenordnung kaum machbar gewesen. Bei Nacht ein meilenweit sichtbares, spektakuläres Schauspiel.

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Dazu das futuristische Dach über der Tankstelle – das ganze Ensemble mutet an, wie aus einer anderen Welt. Route 66-like? Darüber kann man streiten. Aber warum soll es nicht auch moderne Gebäude und Attractions an der Mother Road geben? Ruinen und Wracks stehen aller Orten herum, also darf es auch mal was Zeitgemäßes sein.

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Aubrey K. McClendon, ein Öl-und Gas Magnat aus dieser Gegend, lässt das Pops im Jahr 2007 bauen. Nicht alle dort sind begeistert, es gibt Stimmen, die sagen, dass McClendon dafür so manches ursprüngliche Mom & Pop Business an der 66 hat platt machen lassen. Wir wissen nicht, wie es in Arcadia an dieser Stelle vor dem Jahr 2007 ausgesehen hat und ob diese Stimmen recht haben. Also freunden wir uns doch an, mit der ungewöhnlichsten Tankstelle und dem noch ungewöhnlicheren Diner an der 66 in Oklahoma. Der Limonadenfan kommt auf jeden Fall auf seine Kosten. Hunderte Sorten aus aller Welt, auch die exotischsten, sind erhältlich. Angeblich über 700 Sorten, sogar der österreichische Almdudler bestens bekannt hierzulande, ist dabei.

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Da uns das Wetter im Stich lässt, gibt es Grund genug, bei der nächsten Tour und bei hoffentlich besserem Licht, World’s Biggest Soda Bottle erneut abzulichten. Am besten bei Nacht – sie leuchtet tatsächlich in allen Farben.

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