Los Lunas Loop, Rio Puerco, Laguna, Budville, San Fidel – Durch New Mexicos Indian Country

Da sind wir also zurück in Albuquerque. Leider tut uns die Route 66 nicht den Gefallen, ohne Wahlmöglichkeit von hier aus geradewegs nach Westen weiter zu führen. Es gibt nämlich wieder zwei Streckenführungen. Da wäre zum ersten das Pre-1937 Alignment, der sogenannte Los Lunas Loop. Diesen Verlauf möchten wir der Vollständigkeit halber unbedingt erwähnen.

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Dazu müssen wir uns in Albuquerque auf den Highway 314 South begeben. Diesen erreichen wir am besten über die I-25 South, die die Central Avenue am Exit 224A kreuzt. Nach Süden auffahren und am Exit 223 gleich wieder runter auf die 314. Die Straße überquert als Bridge Boulevard den Rio Grande und knickt dann als Isleta Boulevard nach Süden ab. Hier folgt die ehemalige 66 dem Verlauf des großen Flusses. Die Strecke ist beschildert.

Am Exit 213 kreuzt sie wieder die I-25. Achtung: Kurz danach, VOR dem Ort Isleta, auf die 147 nach links abbiegen. Über die Eisenbahnschienen und den Rio Grande bis zum Isleta Pueblo. Wer möchte kann sich im Pueblo umschauen, es gibt eine sehenswerte Missionskirche. Bitte unbedingt, wie in allen Pueblos und Stammesgebieten der Indianer, die Fotografieregeln beachten.

Gleich nach der Brücke über den Rio Grande geht‘s rechts ab auf die 47, die in südlicher Richtung durch die Orte Bosque Farms, Peralta und Valencia nach Los Lunas führt. In Valencia aufpassen, denn wenn die 47 links abknickt, müssen wir geradeaus weiter auf der Main Street, die ab hier Highway 6 heißt. Es geht noch einmal über den Fluss und weiter in westlicher Richtung durch das Städtchen Los Lunas. 66-mäßig gibt es dort nichts Besonderes zu sehen. In diesen Orten ist die Mother Road noch nicht wieder zum Leben erwacht und alte Überbleibsel sind rar und kaum zu entdecken.

Weiter draußen am Highway 6, dem wir jetzt folgen, wird es interessanter, auch wenn es überhaupt nicht danach aussieht. Nick lässt uns einfach an der Straße anhalten – er weiß genau, an welcher Stelle – und wir machen uns mal wieder auf ins Gestrüpp. Links der 6, oder 66, verläuft die Bahnlinie. Dazwischen kann man sich wieder die Reste einer ehemaligen Route 66 Brücke ansehen und einen Abschnitt der Originalstraße mit dem noch erhaltenen Belag. „Roamin Rich“ – den kennen wir schon aus früheren Kapiteln – hat auch hier seine Spuren hinterlassen und einige Route 66 Zeichen auf die alte, inzwischen von Sträuchern teilweise überwucherte Mother Road gemalt.

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Wir kommen an Maybelle‘s Diner vorbei. Das ist eine Movie Location mitten im Nichts der Los Lunas Indian Reservation. Offiziell gehört es zu Correo. Das Gebäude steht leer, aber ein paar Fotos ist es trotzdem wert. Und es gibt da wieder so eine Geschichte: Die Bar heißt eigentlich gar nicht Maybelle‘s, sondern Wild Horse Mesa Bar. In den frühen 1990ern Jahren wird der Laden geschlossen, weil der Besitzer unter mysteriösen Umständen erschossen wird. Angeblich ist es kein Raubüberfall, denn das Opfer ist wohl in verschiedene dunkle Geschäfte verstrickt. Eine weitere, noch blutrünstigere Story, ersparen wir Euch. Auf jeden Fall hat Hollywood Maybelle‘s aus dem Ding gemacht, wobei wir nicht rausfinden konnten, welcher Film dort gedreht worden ist.

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An dieser Stelle führt uns Nick auf ein weiteres, der Natur überlassenes Stück Route 66. Wir sagen mal vorsichtig … nicht ganz „legal“, da es auf Indianergebiet liegt und eigentlich per „No Trespassing“ gesperrt ist. Wir müssen sogar ein geschlossenes Tor überwinden. Uns ist etwas mulmig, aber Nick meint, dass wir es riskieren können. Na ja, die nächsten Häuser sind immerhin in Sichtweite, hoffentlich schaut niemand rüber. Aber es gibt eben was zu sehen auf diesem Stück, nämlich diese kleine Pony Bridge, die noch bestens erhalten ist. Dahinter verläuft sich die 66 wieder im Präriegras. So, und jetzt vergesst Ihr diesen kurzen Absatz mal ganz schnell wieder… – bitte nicht nachmachen!

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Wir müssen noch einige Meilen dem Highway 6 folgen, bis wir schließlich die I-40 am Exit 126 erreichen. Hier treffen wir wieder auf die Past-1937 Route 66 – sie kommt sozusagen von rechts direkt aus Albuquerque. Den Los Lunas Loop haben wir damit beendet, aber auf diese Weise natürlich das Stück von Albuquerque bis zum Exit 126 ausgelassen, was man aber nicht sollte. Wenn man alles mitnehmen will, muss man einige Male hin und her fahren. Auch diesmal wieder.

Erst jetzt also, setzen wir unseren geraden und direkten Weg aus Albuquerque heraus Richtung Westen fort. Ihr erinnert Euch an die Central Avenue, wie die 66 in Albuquerque heißt. Dieser folgen wir aus der Stadt hinaus. Ca. sechs Meilen nach der Brücke über den Rio Grande trifft sie, am Exit 149, auf die I-40, die wir aber geflissentlich ignorieren. Wir biegen rechts ab, überqueren die Interstate und vor dem großen Frachtzentrum mit den vielen Trucks gleich wieder links auf die Frontage Road. Immer entlang der I-40 bis die Rio Puerco Bridge in Sicht kommt. Hier endet die Frontage Road. Die Brücke ist sehenswert und unbedingt einen Stopp wert. Man kann das Auto an der Straße parken und zu Fuß über die aus dem Jahr 1933 stammende Brücke gehen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass hier die letzten Autos fuhren. Erst 1999 wird sie außer Betrieb gesetzt und ist seit 1997 Bestandteil des National Registers of Historic Places.

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An dieser Stelle müssen wir auf die Interstate. Wer möchte kann vorher im gegenüberliegenden Route 66 Casino noch ein paar Dollars verzocken. Das Casino ist im Route 66-Stil aufgemacht. Man kann ja mal reinschauen. Das Essen soll gut, aber recht teuer sein.

Auf der Interstate passieren wir nach einer Weile den uns schon bekannten Exit 126, wo wir ja unseren Los Lunas Loop beendet hatten. Weiter geht es nach Mesita. Dort am Exit 117 verlassen wir die I-40. Erste Straße links nach der Ramp ist die 66 aka Frontage Road. Nach kurzer Zeit passieren wir den Owl Rock, einen dicken Lavabrocken direkt neben der Straße. Dann kommt Dead Man‘s Curve – die zweite an der Route 66 mit diesem wohl leicht übertriebenen Namen. Nichts anderes als eine 90 Grad Haarnadel um ein kleines Felsmassiv herum.

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Wir erreichen Laguna, eine weitere Ansiedlung von Pueblo Indianern. Man kann ins Dorf hinein fahren, obwohl man ein bisschen abgeschreckt wird von den dort angebrachten Schildern, was man alles darf und was man nicht darf. Fotografieren mögen sie dort auch nicht, leider. Im Ort steht die San Jose Mission aus dem Jahr 1699. Es gibt natürlich Fotos davon, andere hatten scheinbar weniger Bedenken als wir.

Weiter geht‘s auf einem sehr interessanten Abschnitt der 66. Wir fahren durch Indian Country und passieren die scheinbar verlassene Ortschaft Paraje. Das täuscht allerdings, das kleine Indianerdorf lebt, genau wie alle anderen „Ghosts“ an diesem Abschnitt. Von dort kann man übrigens nach 14 Meilen auf der NM23 nach Süden Sky City und den Acoma Pueblo erreichen. Ein Abstecher, der sich für Freunde der Indianerkulturen sicher lohnt. Es gibt weiter westlich noch einen weiteren Zufahrtsweg dorthin, der viel bekannter ist als dieser und dementsprechend als offizieller Weg nach Sky City gilt.

Nächster Stopp ist Budville, wo die alte Tankstelle mit der rostigen Zapfsäule und die Garage gleichen Namens sofort ins Auge fällt. Kurz vorher auf der rechten Seite liegt der alte Casa Blanca Trading Post mit einem schönen alten Autowrack davor, das jedes Mal, wenn wir vorbei kommen, auf den Sensor muss.

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„Bud“ Rice ist der Namensgeber der Budville Trading Company. Bud und seine Frau Flossie eröffnen die Werkstatt im Jahr 1928. Buddy ist ein echter Allrounder. Er betreibt die Garage, die Tankstelle, den einzigen Abschleppservice zwischen Rio Puerco und Grants, verkauft Busfahrkarten, ist der Postmeister und überdies macht er auch noch den strengen Friedensrichter, als der er angeblich empfindliche Bußgelder vor allem an Auswärtige verhängt haben soll. Ob die dann noch bei ihm getankt haben, ist nicht überliefert.

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39 Jahre lang geht alles gut. Im November 1967 allerdings wird‘s blutig. Der Laden wird von einem, tja, Desperado (?) – die Bezeichnung passt wohl in dieser Gegend am ehesten – überfallen. Vier Personen sind im Haus, Bud, seine Frau, ein pensionierter Lehrer namens Blanche Brown und die Haushälterin Nettie. Das Drama endet mit zwei Toten: Bud und der 82 jährige Lehrer. Flossie und die Haushälterin überleben. Der Killer wird nie gefasst. Doch nicht genug damit. Flossie führt das Geschäft weiter, heiratet sechs Jahre später Max Atkinson. Nur kurze Zeit später, wir schreiben das Jahr 1973 wird auch Max erschossen, ein paar Meter nur entfernt von der Stelle, an der Bud sein Leben ließ. Die tapfere Flossie lässt sich auch davon nicht unterkriegen und macht weiter bis ins Jahr 1979. Dann, nach 66 Jahren, schließt sie die Trading Company. Ihr dritter Mann, den es mittlerweile gibt, stirbt eines natürlichen Todes, genau wie Flossie selbst im Jahre 1994. Die Gebäude sind verkauft worden, eine Neueröffnung hat es aber nicht gegeben. Soweit die Geschichte des „Bloodville“ Trading Posts, wie man ihn nach diesen mörderischen Vorkommnissen genannt hat.

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Ein paar Meter die Straße hinunter liegt die Dixie Bar aus dem Jahr 1936 und das alte King‘s Cafe, das heute noch in Betrieb ist.

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Zwischen der Budville Trading Company und der Dixie Bar geht rechts ein altes Pre-1937 Alignment der 66 ab, das nach Cubero führt. Dies ist der sogenannte Cubero Loop. Der kurze Abstecher durch Cubero lohnt sich, allerdings darf man auch hier nicht fotografieren. Ein Foto von der Straße muss ausreichen. In den frühen Route 66 Jahren profitiert das kleine Kaff vom Betrieb auf der Straße, selbst hier entstehen Trading Posts, Tankstellen etc. Damit ist es ab 1937 wieder vorbei, die 66 wird verlegt und führt nun direkt von Budville nach San Fidel.

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Wallace und Mary Gunn, die in Cubero einen Trading Post betreiben, verlegen diesen kurzerhand an die neue Streckenführung, wo er noch heute als Villa de Cubero Trading Post in Betrieb ist. Es gibt „Gas and Food“. Ursprünglich gehörte ein Café und ein Motel dazu. Angeblich soll Ernest Hemingway zwei Wochen im Tourist Court verbracht haben und während dieser Zeit im Café sitzend an Der alte Mann und das Meer gearbeitet haben. Kann sein, kann nicht sein. Who knows? Am Rande der Straße fallen immer wieder Ruinen und Reste von Gebäuden ins Auge, die alle irgendwann einmal die Route 66 mit Leben erfüllt haben. Da kaum etwas abgerissen wird, kann der Zahn der Zeit weiter an ihren Mauern nagen.

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Die 66 verläuft jetzt geradewegs nach Westen in die untergehende Sonne, die eine eigenartige Stimmung verbreitet.

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Wir erreichen San Fidel fast bei Sonnenuntergang. Jedenfalls bei einem unserer Besuche dort. Die Reste der Whiting Brothers Schilder sind bei diesem Licht ein schönes Motiv. Aber auch wer zu anderer Tageszeit in San Fidel eintrifft, wird hier anhalten und fotografieren. Der Komplex wird in den vierziger Jahren errichtet und besteht aus Tankstelle, Motel und General Store. Die Reste der Tankstelle kann man heute noch besichtigen, aber Vorsicht, wenn Ihr zwischen den Trümmern herumlauft. Noch hält das Dach. Gegenüber zeugen nur die beiden Whiting Brothers Schildruinen von den guten Zeiten der 66 in San Fidel. Aber es leben Menschen hier. Gleich neben den weithin sichtbaren Schildern steht ein Mobile Home, Kinder spielen im „Vorgarten“, der hauptsächlich aus altem Schrott besteht.

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Aber es gibt noch mehr zu sehen in San Fidel. Knapp zwei Meilen vor den Tankstellenschildern döst der Acoma Curio Shop vor sich hin. Seit 1916 steht er da. Die weiße Fassade, die an Saloons im Wilden Westen erinnert, wenn sie denn nicht lackiert wäre, scheint des öfteren erneuert zu werden. Drinnen ist alles still, das Gebäude steht leer. Gebaut wird es von Abdoo Fidel, einem Einwanderer aus dem Libanon. Er hat Adobe Steine benutzt, was vielleicht dazu beigetragen hat, dass das Gebäude heute einen Platz im National Register of Historic Places ergattert hat. Er ist übrigens nicht der Namensgeber von San Fidel – der Nachname ist ein Zufall. Der Ort ist auf Vorschlag des örtlichen Kirchenvertreters nach dem heiligen Fidel benannt. Das war im Jahr 1919, vorher hieß San Fidel Ballejos.

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Die St. Joseph Kirche stammt aus dem Jahr 1920. Die damaligen Priester und Missionare betreuten die umliegenden Indianerdörfer einschließlich der Acoma und Laguna Pueblos. Die White Arrow Garage hat auch bessere Zeiten erlebt. Hier wurde schon seit Jahrzehnten kein Auto mehr repariert.

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Zodie‘s Grill and Bar gibt‘s auch noch. Der Besitzer kommt raus, als wir fotografieren. Er sei aus Australien, sagt er. Ellen darf selbst den Hinterhof besichtigen, wo ein schöner alter, wenn auch rostiger Chevrolet Laster so aussieht, als würde er gleich losfahren. Die Reifen sind in Ordnung … Fotos kein Problem. Leider haben wir den Namen des freundlichen Zeitgenossen vergessen. Er gibt uns noch ein paar Tipps für die Umgebung. Die Bar und der zugehörige Trading Post stehen zum Verkauf. Anyone?

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Gleich nebenan verrotten die Trümmer des ehemaligen Route 66 Cafes. Niemand kümmert sich darum, wie so häufig entlang der Straße.

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Es ist still geworden in San Fidel. Keine Spur mehr von den Aktivitäten der frühen Jahre. Von den Indianern, die ihre Waren am Straßenrand an die Touristen verkauften, vom Betrieb an der Tankstelle, im Motel und in den Shops. San Fidel ist ein stiller Ort, an dem man sich, wenn man die kleine Zeitmaschine wieder hervorkramt, sehr gut in die damalige Zeit zurück versetzen kann. Man muss nur zuhören, genau zuhören…

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