McCartys, Grants – Wo einst die Geigerzähler tickten

Unser Weg führt uns jetzt nach McCartys, wo wir einen Blick auf die Santa Maria de Acoma Mission werfen können. Die Missionskirche ist noch gar nicht so alt, geweiht wird sie im Jahr 1933, also zu einer Zeit, als die Route 66 „in full swing“ ist.

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Das Dorf liegt auf einem Hügel und von hier hat mein einen schönen Blick auf die vor der gegenüber liegenden Mesa vorbeiführenden Interstate, die Berge dahinter und die Eisenbahn im Vordergrund. Sonst gibt es nicht viel zu sehen in McCartys, aber der Ort ist der westliche Ausgangspunkt für den vorher schon erwähnten Acoma Pueblo oder auch Sky City.

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Wir folgen der 66, die seit einer Weile schon Highway 124 heißt, aus San Fidel hinaus bis zum Exit 96 der I-40. Dort überqueren wir die Interstate und fahren südlich weiter auf der 124. Hier kann man ein altes 66 Stück „mitnehmen“. Dazu verlassen wir die 124 an einer kleinen Brücke über den Rio San Jose und biegen in die Anzac Road nach links ein. Es geht durch vulkanisches Gebiet, wie man an den vielen Lavafeldern um uns herum erkennen kann. Dieser kurze Abschnitt ist etwa drei Meilen lang, passiert die Lavafelder südlich und erreicht dann wieder die 124, die „spätere“ 66. Jetzt geht es wieder durch einen Tunnel unter der Interstate her, womit wir uns wieder auf der anderen, nördlichen Seite der I-40 befinden. Am Exit 89 bitte rechts auf den Highway 117 abbiegen. Fünf Meilen sind es noch bis Grants, wo wir uns ein wenig länger aufhalten werden. Hier lässt es sich auch gut übernachten, sollte man die Stadt am Nachmittag oder Abend erreichen.

Angus, Lewis and John Grant – drei Brüder sind die Namensgeber der Stadt. Sie lassen in den 1880er Jahren die Atlantic & Pacific Railroad durch diese Gegend bauen. Tausende von Arbeitern errichten ihre Zelte in Grants Camp, wie die Siedlung damals heißt. Diesen Namen behält sie bis 1936 als man die Stadt kurzerhand in Grants umtauft. Die Route 66 bringt das übliche Leben. Zusammen mit der Eisenbahn sorgt sie für eine geschäftige, wenn auch noch kleine Ansiedlung hier im Westen New Mexico´s. Das ändert sich schlagartig im Jahr 1950, als ein Rancher namens Paddy Martinez ein paar Meilen außerhalb einen seltsamen gelben Stein findet. Dieser entpuppt sich als pures Uran und damit beginnt so etwas wie ein „Uran-Rausch“. Die Vorkommen gehören zu den größten der Welt und man kann sich vorstellen, dass die amerikanische Atomenergie-Behörde eifrig Minen erbaut, um das für sie so wertvolle Metall aus der Erde zu holen. Die Einwohnerzahl wächst um das zehnfache auf gut 12.000. Bis in die frühen 1980er Jahre wird in Grants Uran gefördert, dann beendet die damalige Rezension das Geschäft mit dem strahlenden Metall. Wer sich für die Geschichte der Uranfunde interessiert, wird dem New Mexico Mining Museum (100 N. Iron Avenue) sicher gern einen Besuch abstatten. Hier ein ausführliches Video: Klick

Heute zählt die kleine Stadt noch etwa 9000 Bewohner und sie kann mit einigen Route 66 Highlights aus alten Tagen aufwarten. Diese wollen wir uns jetzt mal etwas genauer ansehen.

Am Ortseingang trifft die 66 auf die Santa Fe Avenue und diesen Namen behält sie durchgehend. Rechts und links der Straße eine Reihe von Motels, die mittlerweile fast alle geschlossen sind. Nicht so die Leisure Lodge, die uns gleich als erste auf der rechten Straßenseite ins Auge fällt. Das Historic Route 66 Motel und das Desert Sun auf der linken Seite begrüßen keine Gäste mehr. Am Desert Sun halten wir an, um das Schild zu fotografieren. Die Zimmertüren stehen teilweise offen, Tumbleweed hat sich dort festgesetzt. Trostlos. Irgendwer hat ein paar Hausschuhe ins Fenster gestellt. Eigentlich darf man wohl nicht auf‘s Gelände, aber das Tor ist offen, also was soll‘s.

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Ein paar Meter weiter weist ein großes Schild auf das Sands Motel hin. Rechts rein, heißt es also. Nur ein Block und wir stehen vor dem noch in Betrieb befindlichen echten Route 66 Motel. Und … yep, Elvis stayed here!

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Weiter geht‘s. Vom Grants Cafe ist nichts mehr übrig, außer dem imposanten Neon. Eines der schönsten im Ort. Fotostopp. Gegenüber dämmert das Wayside Motel vor sich hin. Daran wird sich wohl auch nichts ändern, das Gebäude verfällt. Ein Stück weiter, gleich neben Pizza Hut verbreitet das West Theatre noch echte Route 66 Atmosphäre – zumindest bei Dunkelheit, wenn das tolle Neon eingeschaltet ist. Man kann es sehr schön vom gegenüberliegenden Parkplatz aus fotografieren. Oder aus der Nähe natürlich, indem man sich drunter stellt. Es macht aber auch bei Tageslicht was her, wenn es sich in einer großen Pfütze spiegelt.

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Kurz danach, auf der rechten Seite, erwarten uns die Roaring Twenties, oder das, was davon übrig geblieben ist. Das große Schild nämlich, das man Gott sei Dank hat stehen lassen, als der ehemalige Schnapsladen mit angeschlossenem Barbetrieb abgerissen wurde. Die hiesigen Tauben freuen sich auch darüber, wie man leicht erkennen kann.

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Weitere Fotostopps sollte man am ehemaligen Uranium Cafe – inzwischen heißt es Badlands Burgers (zwischen den Fotos liegt ein Jahr, das grüne Schild ist inzwischen leider verschwunden), an Pat‘s Bar, an der Franciscan Lodge mit dem auffälligen Neon, am 1st Street Cafe, am schon ziemlich mitgenommenen Schild des Los Alamos Motels (das Motel selbst gibt es nicht mehr) und, direkt davor, bei Charlie‘s Auto & Tire Service einlegen.

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Am besten man fährt die Santa Fe Avenue ein oder zweimal auf und ab. Auf diese Weise bekommt man alles Sehenswerte in Sachen Route 66 mit. Noch besser: man übernachtet dort (es gibt Kettenmotels) und schaut sich das Ganze bei Nacht an. Das Southwest Motel z.B. hat zwei schöne Neons. Und hoffentlich hat man am West Theatre dann auch wirklich das Licht angeschaltet – das war bei unserem letzten Besuch leider nicht der Fall. Dafür hatten wir aber die Lunar Eclipse – oben im schwarz-weiß Foto vom Sands Motel kann man sie erkennen, wenn man genauer hinschaut.

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